Finanzierung

Leider macht das Studium die materiellen Sorgen nicht vergessen: Statt spannender Lehre und interessegeleitetem Lernen wartet Wettbewerb um Seminarplätze und eine Sitzplatzgarantie auf der Hörsaaltreppe – mit Panoramablick auf den abbröckelnden Putz. Auch die Bibliotheken platzen aus allen Nähten. Nicht nur Student*innen lernen am Limit, auch die Dozent*innen lehren am Limit. Prekäre Arbeitsbedingungen, schlechte Betreuungsverhältnisse, marode Räumlichkeiten – das alles muss ein Ende haben.

 

Doch wo liegt das Problem? Wie funktioniert das mit der Hochschulfinanzierung?

Grundfinanzierung

Den Hochschulen werden über die Länder grundsätzlich Mittel für die Erfüllung ihrer Aufgaben bereitgestellt. Das macht den größten Teil der Budgets der Hochschulen aus. Teilweise werden die Mittel an ‚Leistungen‘ geknüpft, z.B. das Erreichen bestimmter Absolvent*innenquoten oder der Anteil an Professorinnen. So sind die Hochschulen in der Verausgabung dieser Mittel teilweise autonom, werden aber durch Anreize auch gesteuert. Um gute Lehre unter guten Arbeits- und Lernbedingungen gestalten zu können und um wichtige Forschungsprojekte durchzuführen, reichen die Mittel aber noch noch nicht aus und die Hochschulen sind auf Geld von anderen Stellen angewiesen.

Kooperationen zwischen Bund und Ländern

Eine Maßnahme für mehr Geld für die Hochschulen ist die Unterstützung des Bundes. Mit dem Hochschulpakt konnten mehr Studienplätze geschaffen werden, nun soll auch die Qualität der Lehre verbessert werden. Gleiches Ziel hat der Qualitätspakt Lehre. Bisher waren diese Mittel befristet und haben Unsicherheiten produziert. Der neue Nachfolger, der Zukunftsvertrag Studium und Lehre Stärken läuft immerhin unbefristet, bindet die Mittelvergabe aber nicht an Entfristungen. werden. Außerdem soll er an Kriterien wie ‚Absolvent*innen in Regelstudienzeit‘ geknüpft werden, was dazu führen kann, dass Hochschulen ihre Student*innen stärker unter Druck setzen, um ‚rechtzeitig‘ fertig zu werden.

Darüber hinaus versuchen Bund und Länder – statt mehr Geld in die Hand zu nehmen und in die Breite zu fördern – mit der Exzellenzstrategie die punktuelle Förderung von wenigen ‚Spitzen’forschungsprojekten. Dies verstärkt die Ungleichheit in der Hochschullandschaft und kommt nur wenigen zu Gute, den Student*innen am allerwenigsten.

Drittmittel

In der finanziellen Not sind Hochschulen auf zusätzliche Drittmittel angewiesen. Interessanterweise kommt der Großteil der Drittmittel auch aus öffentlicher Hand, und zwar über die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Problematisch an diesen Drittemitteln ist, dass nur projekthaft, das heißt auf Antrag, und im Wettbewerb zur Verfügung stehen. Das heißt, Wissenschaftler*innen werden in Konkurrenz zueinander gesetzt und jede Menge Zeit geht für die Antragsstellung drauf.

Darüber hinaus haben Unternehmen und Stiftungen die Möglichkeit, mit gezielten Ausschreibungen für ihre Interessen Forschung von Universitäten und Hochschulen machen zu lassen. Die Unabhängigkeit der Wissenschaft ist nicht mehr gewährleistet, erforscht wird, was Geldgeber*innen verwerten können.

Studiengebühren

Der Ausgleich der Mangelfinanzierung wird darüber hinaus teilweise auch an die Student*innen selbst abgewälzt. Allgemeine Studiengebühren gibt es in Deutschland nicht, dafür aber eine Menge an Studiengebühren, die einzelne Personengruppen treffen, z.B. Student*innen, die länger als die Regelstudienzeit brauchen, Menschen, die ein Zweitstudium machen oder Student*innen, die ihren Bildungsabschluss nicht in der EU gemacht haben und keine EU-Staatsbürgerschaft besitzen. Für letztere sind es sogar 1500€ pro Semester in Baden-Württemberg, was dazu führt, dass nur noch wenige sich dieses Studium leisten können oder in existenzielle Probleme während des Studiums geraten. Während des Studiums ist es sowieso schon nicht einfach, den Lebensunterhalt zu finanzieren. Gebühren, auch Gebühren wie ‚Verwaltungsgebühren‘ oder ähnliche versteckte Studiengebühren, erschweren das zusätzlich und erhöhen die soziale Segregation.

Was ist das Problem?

Insgesamt werden die Mittel für die Hochschulen von öffentlicher Seite künstlich knapp gehalten. Obwohl Bildung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, unterliegt sie der Sparpolitik, die in den letzten Jahrzehnten immer weiter Einzug erhalten hat. Auch Hochschulen werden unter den Prämissen des New Public Management zunehmend wie Unternehmen geführt, sollen primär effizient sein und verwertbaren Output liefern.

Das hat Auswirkungen auf die Individuen: Lernende und Lehrende leiden unter Konkurrenz und Druck, teilweise wird die Haltung des ‚gegeneinander‘ inkorporiert und übernommen. Doch Wissenschaft braucht Kooperation und muss aufeinander aufbauen, und Wissenschaftler*innen und Student*innen müssen frei nach Interessen und unter guten Lebensbedingungen lernen und lehren können.

Wir fordern nicht, dass das Geld anderen wichtigen Einrichtungen wie z.B. Schulen abgezwackt wird, sondern wir fordern konsequente Umverteilung. Mehr öffentliche Gelder müssen in den Bildungsbereich gehen, sparen könnte man z.B. bei den Rüstungsausgaben. Möglicherweise müssen auch mehr Steuern erhoben werden, z.B. von Menschen und Unternehmen, die sehr viel mehr verdienen, als sie für ein gutes Leben brauchen.

Wissenschaft muss allen zugute kommen und nicht nur einigen wenigen Kapitalinteressen.

Hier wurden nur die Grundzüge der Hochschulfinanzierung dargestellt. Für einen ausführlichen Überblick über die Mittelströme der Hochschulen empfehlen wir von Justus Henke und Peer Pasternack ‚Hochschulsystemfinanzierung. Wegweiser durch die Mittelströme‘ (HoF‐Handreichungen 9), Institut für Hochschulforschung (HoF), Halle-Wittenberg 2017.